>Die WeinPresse<

„Die WeinPresse“ ist unsere Online-Ausgabe (in der Form eines Weinzeitungsformates) mit der wir kontinuierlich Einblicke in unseren Arbeitsablauf gewähren und Ihnen das Weinjahr anhand unserer Arbeitsschritte und -prozesse veranschaulichen wollen. Eine Sichtweise einmal aus ganz anderen Blickwinkeln.

Damals und heute…

Baumpresse aus dem Jahr 1903
Pneumatische Presse

Die heutige Technik ermöglicht eine sanfte und schonende Verarbeitung unserer Trauben.

Die Weinlese –
der Erntezeitpunkt als

DER entscheidende Moment

Neben den Herkunfts- und Bodenbedingungen, klimatischen Faktoren und der Bewirtschaftungsphilosophie in den Weingärten und folglich im Weinkeller ist der optimale Erntezeitpunkt für die Qualität eines Weines ausschlaggebend. Die Weinlese gilt als die Schnittstelle zwischen Weinberg und Weinkeller.

Die Traubenreife immer im Blick

Bereits während des Sommers überprüfen wir laufend den Zustand unseres Traubenguts hinsichtlich des Entwicklungs- und Reifegrades.
Ein sehr wichtiger Aspekt bei der Weinernte ist dann der richtige Zeitpunkt . . .

Die Reife der Trauben und das Wetter bestimmen den Lesebeginn

Reife der Trauben:
Die Ernte unserer Trauben ist der Höhe­punkt im Wein­jahr, gleichzeitig auch der kritischste Zeitpunkt. Mit der Entscheidung über den Beginn der Lese kann der Winzer auf die Qualität und den gewünschten Weintyp Einfluss nehmen. Je nachdem, wie früh oder spät die Trauben geerntet werden, hat dies Einfluss auf die Süße, den Alkoholgehalt und den Geschmack. Während der Zuckergehalt in den Beeren steigt, nimmt der Säuregehalt kontinuierlich ab. Eine perfekte Balance zwischen Säure- und Zuckergehalt ist ein sehr wichtiger Faktor für die Langlebigkeit eines Weins.

Wie wird der Reifegrad der jeweiligen Trauben festgestellt? Winzer benutzen diesbezüglich vor allem ihren Geschmackssinn um den exakten Erntezeitpunkt auszuloten. Neben dem Geschmackssinn des Winzers, der jahrelange Erfahrung voraussetzt, gibt es auch technische Hilfsmittel.
Mithilfe eines Refraktometers (Fruchtzuckermessers) können Rückschlüsse auf das Reifestadium und somit auf den optimalen Lesezeitpunkt gezogen werden.

Das Wetter:
Nicht nur der optimale Reifezustand der Trauben bestimmt den Beginn der Lese, sondern auch der Einfluss des Wetters spielt beim Startschuss für den Lesebeginn eine Rolle. Somit ist die Frage nach dem richtigen Lesezeitpunkt für uns immer eine große Herausforderung.

Sortenreine Ernte, sanfter Umgang fast wie mit Samthandschuhen

Die Trauben werden sortenrein geerntet und zur Weiterverarbeitung in unser Presshaus gebracht. Wir richten größte Aufmerksamkeit auf vollreifes und gesundes Traubengut sowie auf die Handhabung der Trauben, um jegliche Beschädigungen der Trauben zu vermeiden.

Mit der Hand, Traube für Traube – höchste Weinqualität durch die Art der Lese

Bei der manuellen Lese (traditionell) werden die reifen Trauben von Hand abgeschnitten, in Kleinkisten gelegt und bleiben somit vollkommen unverletzt.

Die Handlese hat vor allem den Vorteil, dass tatsächlich nur reife, gesunde Trauben geerntet werden und eine qualitative Auswahl stattfindet. Beeren/Trauben die unseren Qualitätsansprüchen nicht entsprechen werden schon während der Lese im Weingarten aussortiert.

Ausschließlich die Lese per Hand gestattet es, geeignete Trauben bereits im Weinberg zu selektieren. Unsere Erntehelfer achten dabei penibel auf den Reifegrad, die Gesundheit und die Vitalität der Beeren. Es werden ausschließlich einwandfreie und reife Trauben geerntet.

Da bei uns keine Erntemaschinen zum Einsatz kommen, entstehen keine Schäden an der Laubwand, keine Schäden an den Trauben und keine Schäden am Boden. Weiters erfahren die Trauben keinen mechanischen Druck und kommen somit unversehrt im Weinkeller an.

Triathlon in den Vineyard Rows – Muskeleinsatz für die Qualität

Durch die Gegebenheit unserer Rebflächen (außergewöhnlich steile Hanglagen) handelt es sich bei der Traubenlese um eine körperlich sehr anstrengende Arbeit, die nicht zu unterschätzen ist. Die Steilheit unserer Weingärten (teilweise bis zu 75% Hangneigung) erschwert die Weinlese enorm, an dieser Stelle ein „Danke“ an all unsere fleißigen Erntehelfer!

Bericht eines Erntehelfers:

. . . die wunderschönen Weingärten, diese enorm steilen Hänge,
ich bin da heute runtergerutscht – habedere!

Schon immer hatte ich sehr großes Interesse daran einmal hautnah miterleben zu dürfen, wie der Wein in die Flasche kommt. Ich wollte sehen und fühlen, was denn da alles genau dahintersteckt. Und zwar nicht aus der Sicht von Lehrbüchern und rein theoretischer Aspekte, sondern ich bewarb mich als Erntehelfer im Weingut Erwin Sabathi.

Gleich vorweg, ich wurde sehr herzlich empfangen und galt von Anfang an als Teammitglied. Das bezieht sich auf die Arbeit, auf die Kollegialität, auf das gute Mittagessen und natürlich auch auf die gute Jause!
Mir wurde die Möglichkeit gegeben, überall dabei zu sein, mir wurden die Rieden ausführlich gezeigt und erklärt, ich durfte in unterschiedlichen Weingärten Trauben ernten, war tatkräftig bei der Traubenübernahme im Presshaus mit dabei, bekam Einblicke in die Kellertätigkeiten und durfte die zur Zeit aromatische Kellerluft schnuppern. Niemals hätte ich gedacht, so viele Einblicke zu erhalten.

Mein Denken über Wein hat sich vollkommen geändert. Wenn man sieht, was hinter einer guten Flasche Wein für ein enormer Aufwand steckt . . . mühevolle Arbeit, viele Personen, großer Zeitaufwand, frühes Aufstehen . . .

Die Lese in den wunderschönen Weingärten, die enorme Steilheit der Weingärten – wie man da überhaupt arbeiten kann – noch dazu bei den unglaublich schönen, heißen Herbsttemperaturen, über fast 3 Wochen, tagtäglich von früh morgens bis spät abends, großer Respekt!

Auch sehr interessant, die Traubenanlieferung aus den Weingärten und die Übernahme im Presshaus – das wahnsinnige Tempo um die Traubenqualität nur ja nicht zu beeinträchtigen, tausende Kilos werden in kürzester Zeit verarbeitet, die routinierten Handgriffe, jeder weiß ganz genau was zu tun ist.

Mein Fazit: Wenn die Schipisten auch so steil wären wie die Weingärten von Erwin Sabathi am Pössnitzberg, dann würde ich meine Schier in die Ecke stellen und ein gutes Glas Wein trinken gehen.

Mein Tip für das Weingut: Eine Seilbahn für die Erntehelfer zu bauen ;o)

Christoph Niederwimmer, F&B Manager, Hotel Arlberg